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Pauls letzter Monatsbericht Unser Zivi Paul berichtet in seinem letzten Bericht über den Patenkinderausflug, eine Umweltausstellung in Phnom Penh und die zeremonielle Zerstörung von Glücksspielautomaten auf der Deponie in Battambang. Besonders lesenswert ist auch sein Bericht über das Leben in der Stadt Phnom Penh. An dieser Stelle möchten wir Paul für die vielen schönen Texte und seinen Einsatz in Kambodscha im letzten Jahr danken und ihm alles Gute für die Zukunft wünschen. Liebe TKG, In diesem, meinem letzten Monat war der Höhepunkt eindeutig der Ausflug mit den Patenkindern nach Sihanoukville. Siebzig Kinder und die gesamte COMPED Mannschaft nebst Betreuern machten sich für drei Tage auf an die Küste von Kambodscha. Einige der Kinder waren nur einmal in Sihanoukville, ein viel größerer Teil war sogar noch nie am Meer. Die Stadt an der Küste ist unter den Kambodschanern sehr beliebt und nach Angkor Wat das bedeutendste Reiseziel des Landes. Alle Patenkinder erhalten Unterstützung für die Schulausbildung. Bildung bedeutet aber nicht nur einen Platz in der Schule zu haben und Fakten aufzusaugen sondern auch den Geist zu trainieren, andere Dinge zu sehen, eigene Geschichte zu kennen. Aus diesem Grund wird alle zwei Jahre ein Ausflug mit den Kindern an bedeutende Plätze Kambodschas gemacht. Natürlich kam der Spaß nicht zu kurz, die Kinder genossen sichtlich die Zeit am Stand. ![]()
Zum Ende des Besuches von Carmen und Kerstin, die extra des Ausfluges wegen angereist waren, gab es noch ein Abschlussfest mit allen Patenkindern in Kah Krabay, einem Vorort von Phnom Penh. Diesen Monat hatte COMPED außerdem eine gute Gelegenheit den zweiten Schwerpunkt der Entwicklungshilfsarbeit der NGO zu präsentieren, die Müllverwertung und Kompostproduktion. Auf der ersten Umweltausstellung Kambodschas überhaupt präsentierten sich im Zentrum von Phnom Penh viele Organisationen und Vereinigungen und stellten ihre Arbeit zum Thema Klimawandel, Ressourcennutzung, Energiegewinnung und Müllverwertung vor. COMPED war dabei mit einem Stand über die Kompostierung und zur Kompostierungsanlage in Phnom Penh präsent. ![]()
Zur gleichen Zeit war auch ein Fernsehteam in Battambang das Phalla zum SAB interviewte. Das Interview mit dazugehöriger Reportage wurde ausgestrahlt, mittlerweile interessieren sich auch andere größere Fernsehsender für das Projekt und haben für ein Interview angefragt. Auch das zweite und dritte TOT Training ist in Planung. Viseth und Kim sind jetzt besonders vor Beginn der Regenzeit damit beschäftigt die Trainings für die Bauern und die Müllsammler so weit wie möglich fertigzustellen da die restlichen Trainings in der Regenzeit wesentlich schwieriger abzuhalten sind. In diesem Bereich ging es besonders in den letzten Monaten zügig voran. Auch in der Projektzusammenarbeit mit CHEC gibt es diesen Monat Neues zu berichten. Ich konnte an der Zwischenkonferenz der Bauern teilnehmen. ![]()
Da dies mein letzter Monatsbericht ist möchte ich nochmal eine kleine Impression von Phnom Penh geben, der Stadt in der ich ein Jahr lang gelebt habe und die mich so beeindruckt, verstört aber auch gefangen hat. Ruhe gibt es nie auf den Straßen, ich war diesen Monat einige Male vor Sonnenaufgang auf und konnte zusehen wie die Stadt munterer wird um in einen neuen Tag startet. An manchen Ort steht das Leben nie still, am Gemüsemarkt neben dem ich wohne fahren vierundzwanzig Stunden am Tag LKW vor, Gruppen von jungen Männern laden die Güter ab, noch lange bevor die ersten ihrer Kunden die Betten verlassen. Gelichzeitig beginnt sich die Flusspromenade am anderen Ende der Stadt zu füllen. Die Betrunkenen und Obdachlosen die hier die Nacht verbracht haben machen Platz für all die Sportbegeisterten die pünktlich zum Sonnenaufgang ihre Morgengymnastik beginnen. Wenn die Sonne aufgeht tauchen die ersten Strahlen die langen, schnurgeraden Boulevards in orangenes Licht. Jetzt ist die schönste Zeit um auf den Straßen unterwegs zu sein, nicht zu kalt von der Nacht und nicht zu heißt von der rasch aufgehenden Sonne. Nach ein paar Minuten ist das Schauspiel vorbei, die Sonne steigt schnell und lock die letzten Schläfer aus den Betten. Die Müllsammler die schon vor Sonnenaufgang ihre Arbeit begonnen haben ziehen in Scharen durch die Straßen um noch vor der städtischen Müllentsorgung die besten Wertstoffe aus den allgegenwärtigen Müllbergen zu suchen. All die billigen Dienstleister und Arbeiter die ohne Unterkunft leben und auf Bürgersteigen und in Seitenstraßen schlafen beginnen ihr Tagwerk. Wenn die Sonne aufgeht sieht man ihre Armut weniger, meint, sie würden schon irgendwo unterkommen. Die letzten Partygäste werden aus den Clubs der Stadt geworfen und können – mit viel Glück – dem Taxifahrer noch den Weg nach Hause weisen. Der zunehmende Strom von Büroarbeitern auf Mopeds und in Autos verstopft die Straßen und Kreuzungen. Mittlerweile ist es heiß in der Sonne, dreckig von den Abgasen und lärmend von all den Menschen. An jeder Straßenecke wehen einem neue Gerüche entgegen, je nachdem ob man sich neben einem Kanalisationsschacht oder einem der zahlreichen Straßenläden befindet. Auch die Restaurants füllen sich, wie eine Welle, nach einer Stunde ist alles vorbei, die Tische wie leergefegt und die Straßen ohne Staus. Um die Mittagszeit wiederholt sich das Spiel, dann fahren alle nach Hause um dort Mittag zu Essen. Weiße Weltveränderer schlürfen Kaffee in den neuesten Restaurants der Stadt. Die Hitze ist mittlerweile unerträglich geworden, nur wer es sich nicht leisten kann, macht keinen Mittagsschlaf. Dass gilt auch für die Bauarbeiter, die an allen Ecken und Enden der Stadt für Höhen- und Flächenwachstum sorgen. Stahlskelette und Betonburgen wechseln sich mit frisch gestrichenen Fassaden ab. Phnom Penh ist der Inbegriff von Wachstum, Veränderung und Identitätssuche nach der Zeit der Roten Khmer, die alles tradierte verschwinden ließen, Hoffnung für Reiche und Arme, Symbol für das neue Kambodscha und gleichzeitig Experimentierstube für die Zukunft des Landes das noch keine klare Richtung für sich entdeckt hat. Ich bin gespannt auf das Ergebnis. |
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