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Bericht von unserem Kambodscha-Zivi Paul Vieweg Liebe TKG, nachdem meine Mutter nun wieder aus Kambodscha verschwunden war hatte ich ein paar Tage Sehnsucht nach Deutschland. Es fällt eben doch leichter zu „vergessen“ das man quasi noch ein Leben hat das parallel läuft wenn man es nur noch über den E-Mailverkehr oder über Telefonate wahrnimmt. ![]() Die Rückfahrt von Bangkok habe ich per Bus und Taxi angetreten und damit einen ganzen Tag zugebracht. Als es dann schon Nachmittag wurde und ich in einem überfüllten Autotaxi saß durfte ich mir eine Stunde lang einen Streit zwischen einer Kundin und dem Taxifahrer anhören. Es ging laut zu und ich habe nicht viel verstanden, mein Khmer hat aber gereicht um mitzubekommen, dass es ums Geld ging. Die Erkenntnis das nicht nur ich mich mit den Dienstleistern hier um den Preis streite (und damit möglicherweise ein schlechtes Bild von den Westlern abgebe), sondern das die Kambodschaner sich genauso fetzen können war in diesem Moment sehr beruhigend, auch wenn das Geschrei an die Nerven ging. Nur ein paar Tage später geriet ich in eine ähnliche Situation, ich denke bis heute sind sowohl der Taxifahrer als auch ich felsenfest davon überzeugt im Recht zu sein. Das interessante an dieser Begebenheit war aber ein junger Mann der (nachdem ich mich mit dem Taxifahrer bereits fünfzehn Minuten gestritten hatte) vorbeikam und mehr oder weniger „gezwungen“ wurde zu übersetzen. Das hat er dann auch gemacht, alles war gut und ich konnte weiterfahren. Fünf Minuten später traf ich den jungen Mann wieder und er bat mich um Unterstützung für sein Studium der englischen Literatur das er nach zwei Jahren kaum noch stemmen kann. Mit Shakespeare wusste er aber nichts anzufangen. Geld gab ich ihm nicht, seine Frage ob wir an diesem Abend gemeinsam ausgehen könnten habe ich auch verneint, dafür aber einen Tag später eine Mail an ihn geschrieben. Er hatte eine Sehstörung und ich kenne eine NGO die genau diese Art von Sehkrankheit behandeln kann. Diesen Kontakt habe ich ihm angeboten, eine Antwort kam bis heute nicht und ich weiß nicht so recht was ich davon halten soll. Wenn man mit „Weißen“ umgeht lernt man früher oder später automatisch Mitarbeiter von großen oder kleinen Hilfsorganisationen kennen, das ist nun mal das Hauptarbeitsfeld der Ausländer in Kambodscha. Letztens unterhielt ich mich mit einem Mitarbeiter einer Organisation die mir persönlich sehr gefällt. Die NGO mit dem Namen „Bridges“ organisiert Reden von Nobelpreisträgern in Universitäten und anderen Kulturstätten in Entwicklungsländern, genauso auch Konzerte und ähnliches. Das beeindruckt mich denn es zeigt die Vorbilder dort wo sie gebraucht werden, wo besondere Perspektivlosigkeit herrscht und es bietet eine Art der Bildung oder auch des Kulturkonsums an wie er ja sonst nur in Industriestaaten gewöhnlich ist. Bald steht das chinesische Neujahrsfest vor der Tür, ich bin gespannt was da in Phnom Penh passiert. Auf dem Land wird es sicher viel ruhiger zugehen. Je länger ich in Phnom Penh lebe desto mehr wird mir bewusst wie sehr doch der Lebensort prägt, mindestens genau stark wie die Arbeit (oder in Zukunft auch das Studium) selbst. ![]() ![]() Bis bald und herzliche Grüße, Paul |
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