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Erste Eindrücke!

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Thüringer leistet Zivildienst in Kambodscha

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Erste Eindrücke!

Der 18-jährige Paul Vieweg arbeitet für ein Jahr als Entwicklungshelfer in Kambodscha. Wir freuen uns, dass er die TKG als Partner gewählt hat. Paul schickte uns seine ersten Impressionen.


Hallo TKG-ler, mittlerweile ist schon wieder der erste Monat meines Aufenthalts vergangen, ich hab mich hier sehr gut eingewöhnt und alle Mitarbeiter der TKG-Partner-NGO "COMPED" machen mir die Sache leicht. Ich wurde schon eingeladen meinen "Vorgänger" Fabian beim Fußball zu ersetzen (was mir bei meinen Fähigkeiten schwerfallen wird), ich war mit Sokun und seinen Freunden südlich von Phnom Penh zum Phnom Chiso unterwegs. Das ist ein alter Tempelberg aus dem 11. Jahrhundert. Bei Sokun wohnt es sich auch gut, die Verständigung mit seiner Familie klappt natürlich noch nicht reibungslos, aber ich versuche die Sprachbarrieren abzubauen. Die ersten Wochen waren leicher als gedacht, da mir Fabian bei vielen Dingen helfen konnte. Mittlerweile kümmern sich Heng, Phalla und Sokun um mich. Der erste Besuch auf der Mülldeponie in Battambang liegt hinter mir und dementsprechend ist auch schon die erste Arbeit, zum Beispiel Berichte schreiben, angefallen.

Der Besuch auf der Mülldeponie war für mich besonders einschneidend. Es ist ja doch etwas anderes ob man nur Bilder sieht oder mittendrin steht. Am schlimmsten war für mich mit anzusehen, wie die Kinder von klein auf in dieses Leben hineinwachsen, sie sammeln entweder Müll oder leben neben und auf der Deponie. Der Besuch einer Schule kann auf Grund der Arbeit der Kinder nur unregelmäßig stattfinden. Umso mehr hoffe ich, dass der Bau des SAB- Zentrums - der gerade jetzt beginnt - schnell beendet werden kann. So werden die Schulungen schon durchgeführt und der Unterricht für die Kinder läuft bereits regelmäßig, allerdings sind dafür noch keine angemessenen Räumlichkeiten vorhanden.

Demgegenüber steht eine starke Zurschaustellung von Reichtum und Luxus in der Hauptstadt Phnom Penh. Das Bild das in meinem Kopf existierte war vielleicht einmal Phnom Penh vor 20 Jahren. Ich hatte eine Stadt voll mit Fahrrädern und Mopeds erwartet, stattdessen verstopfen überall große Limousinen die Straßen und es scheint weniger Fahrradfahrer als in Deutschland zu geben. Entlang der großen Boulevards reihen sich Luxusgeschäfte aneinander und die ersten Wolkenkratzer sind im Bau. Hier ist alles zu haben was man in Europa auch bekommt, ohne Abstriche. Ich weiß nicht genau was ich erwartet habe, aber der Reichtum und die Masse der Kambodschaner, die doch über nennenswerten Wohlstand verfügen hat mich schon überrascht. Trotz allem ist die Armut meiner Meinung nach hier so präsent, wie sonst nirgendwo im Land. So sehr wie der Wohlstand hier zu sehen ist, so sehr bekommt man auch die Armut zu Gesicht. Auf meinem Weg zum Büro sehe ich jeden Morgen Straßenkinder auf dem Bürgersteig schlafen, viele Menschen, auch auf dem Land würden sicher besser aussehen, könnten sie das essen worauf sie Appetit haben. Wenn man abends im Restaurant essen geht, kommen Kinder vorbei und betteln, verkaufen Blumen oder ähnliches. Ich weiß immer noch nicht wie ich damit umgehen soll. Einerseits lernen die Kinder durch Betteln nur dass man ohne “zu Arbeiten“ Geld verdienen kann, andererseits ist es sicher vermessen von mir zu behaupten sie würden dadurch lernen das man auch in Zukunft ohne Arbeit an Geld kommt und irgendwelche erzieherischen Ziele zu verfolgen da ich auch keine Arbeitsalternative hätte. In vielen Fälle sind die Familien auch auf die Einnahmen der Kinder angewiesen und wenn ich das Geld das ich an Bettler vergebe mit dem vergleiche was ich für mich ausgebe ist es eine verschwindend kleine Menge. Die Frage ist eben nur, ob man den Menschen auf lange Sicht hilft. Oft denke ich aber das ist ein logisch klingender Vorwand um selbst hier wo wirklich alles so billig zu haben ist noch den eigenen Egoismus zu nähren. Jedenfalls komme ich mir manchmal so vor, schließlich bringt es mich nicht um einen Teil des Geldes wegzugeben. Selbst ohne Taschengeld wäre ich besser versorgt als viel Kambodschaner auf dem Land.

Als ich das erste Mal auf dem Land nach einer Toilette gefragt habe konnte ich nur nachsichtiges Lächeln ernten. Vieles ist für mich so selbstverständlich dass ich garn nicht darüber nachdenke, dass man hier nicht darauf zurückgreifen kann. Ein (zugegebenermaßen nicht perfektes) Beispiel ist die Tatsache dass ich meine Sachen mit der Hand waschen muss. Es gibt keine Waschmaschine. Ich brauche also länger um alles sauber zu bekommen, trotzdem lebe ich noch. Ein gutes Beispiel für verzichtbaren deutschen Luxus. Was mich auch sehr nachdenklich gemacht hat waren Erzählungen von Heng und Sokun, wie sie die Zeit der Roten Khmer und die Phase danach erlebt haben. Kriegserzählungen und Berichte von Hunger und materieller Armut waren für mich nur aus den (Nach)Kriegserzählungen meiner Großeltern und aus dem Geschichtsunterricht präsent. Sie gehörten für mich der Vergangenheit an und ich fühlte mich immer in einer Zeit, in der man diese Probleme längst überwunden hat. Hier in Kambodscha ist aber all das viel präsenter, realer. Das hat mich erschrocken und es zeigt mir neben vielen anderen Dingen, wie verwöhnt ich doch bin. Angefangen von der Ernährung, über die Schulausbildung bis zur Gesundheitsversorgung.

Eine weitere Sache die ich sehr neu finde ist die Freundlichkeit und das Bestreben, nicht “das Gesicht zu verlieren“. An einem Morgen habe ich einen jungen Mann nach dem Weg gefragt, er nickte freundlich und bot mir an ihm zu folgen damit er mich hinführen könnte. Nach einer Viertelstunde hielt er an und fragte mich nach dem Weg. Alles voller Freundlichkeit. Auch sah er so aus als fahre er auch ins Büro und nicht so, als könne er sich die Verspätung leisten. Trotzdem half er mir, fragte dann seinerseits nach dem Weg und führte mich hin. Soweit zu meinen ersten Eindrücken aus Kambodscha. Viele Grüße und bis bald, Paul Vieweg

 
 

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