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Matthias und Sophea gehen für zwei Jahre nach Kambodscha

Seit Weihnachten saß Familie Wagner auf gepackten Koffern. TKG-Gründungsvater Matthias Wagner, seine kambodschanische Frau Sophea und der wenige Wochen alte gemeinsame Sohn Ry-Sothias gehen für zwei Jahre nach Kambodscha. Die Thüringisch-Kambodschanische Gesellschaft wünscht alles Gute. Lesen Sie ein Feature der Thüringer Landeszeitung.


Ende Januar ging es nach Kambodscha, ein Land, in das sich Matthias Wagner unsterblich verliebt hat. Trotz der Tatsache, dass die Mehrzahl der Menschen dort in bitterer Armut lebt. Einem Drittel der Bevölkerung stünden täglich weniger als ein Dollar zum Leben zur Verfügung. "Es gibt dort Menschen, die leben auf Müllkippen. Sammeln ein, was andere weggeschmissen haben und versuchen es wieder zu verwerten", weiß Wagner, der 1996 im November das erste Mal in dem südostasiatischen Land gewesen ist.

Eine Reise verändert das ganze Leben "Damals hat mein Chef im Ministerium für Umwelt gefragt, ob ich tropentauglich sei?" Und Wagner sagte ja. Dass dies sein Leben komplett verändern würde, ahnte er vor Reiseantritt nicht. Fachkräfte für Entsorgung galt es auszubilden - zwölf an der Zahl. Doch "EZ", wie die Kurzform für Entwicklungszusammenarbeit in den Behörden heißt, sei damals noch anders angelegt gewesen. "Die Idee der Nachhaltigkeit hat erst in den vergangenen Jahren verstärkt Einzug gehalten". Nachhaltig heiße, was in Takt bleibe auch dann, wenn die Helfer nicht mehr imLand sind.

Auf ein solches Projekt kann Wagner zurückblicken. "Während meiner Zeit in Kambodscha haben wir herausgefunden, dass rund 85 Prozent der Abfälle organischen Ursprungs sind." Und Abfälle seien in Kambodscha - wie in allen Entwicklungsländern - ein echtes Problem. "Ich wollte eine große Kompostieranlage bauen", so der Traum des bisherigen stellvertretenden Pressesprechers des Landwirtschaftsministeriums, der einst Schiffbau-Ingenieurswesen studiert hat. Es sei wie der Kampf gegen Windmühlen gewesen, erinnert sich Wagner, wie schwer es gewesen ist, Gelder dafür zu bekommen. Aus der großen Anlage wurde nichts, immerhin habe er es geschafft, eine Pilotanlage zu starten. Dafür hätten Behörden und die von ihm mitgegründete Thüringisch-Kambodschanische Gesellschaft (TKG) Hand in Hand gearbeitet. Die Kompost-Anlage ernähre heute rund 20 Leute. Hochwertiger Dünger werde dort produziert und an Bauern verkauft.

Ab Februar fängt Wagner mit Unterstützung der ZIM (Zentrum für Internationale Migration und Entwicklung) als Berater im Sekretariat des Parlamentspräsidenten in der Hauptstadt Phnom Penh an. Mit leeren Händen kehrt er nicht zurück in die Heimat seiner Frau Sophea. Zuvor hatte er mit dem Verein einen Hilfstransport auf die Beine gestellt. Der verließ am 20. Dezember 2007 das Land. Mit dabei sind 400 Blutdruckmessgeräte, Zahnarztzubehör, eine nagelneues Röntgengerät und Ultraschallgeräte.

Wertvoll auch die 21 Krankenhausbetten, die Wagner und Freunde in ganz Deutschland eingesammelt haben. "Schon Brillen sind wertvoll. Über 5000 Brillen wurden gesammelt. Hier hat sich die Thüringer Optikerinnung in einer Wahnsinnsarbeit engagiert", zeigte sich Wagner begeistert. Manch Kambodschaner kann damit nach Jahren wieder ein Buch oder eine Zeitung lesen.

Auch an die Kinder in Kambodscha haben Wagners und die TKG gedacht, Fahrräder traten die Reise nach Südostasien an. "Für manches Kind scheitert der Schulbesuch daran, dass es kein Fahrrad hat, um dorthin zu kommen."

Noch profanere Gründe fallen ihm ein, die Schulbesuche in Kambodscha unmöglich machen: "Die Schuluniform ist vorgeschrieben, aber die 10 bis 15 Dollar dafür bringen viele Familien nicht auf." Hier engagiert sich die TKG mit ihrer Patenschaftsaktion: "Uns war es wichtig, dass die Paten, die ein Kind unterstützen, persönliche Kontakte zu den Kindern pflegen können."

Für 200 Euro im Jahr werde das Leben der ganzen Familie verbessert. Vermittelt werden diese vom Verein. Für wenigstens zwei Jahre wird Wagner sein Herzblut für die Entwicklung des Landes aufopfern. Dafür vorbereitet hat er sich mit einem Qualifikationssudium in Politikwissenschaften (Public Policy) an der Universität Erfurt.

Zwei Jahre, in denen er möglichst viele Tropfen auf den heißen Stein gießen will.

Quelle: Thüringer Landeszeitung
 
 

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