Unser Hilfscontainer trifft im Februar im Hafen von Sihanoukville in Kambodscha ein.

Noch vor Weihnachten hatten wir ihn auf Reisen geschickt, unseren Hilfscontainer nach Kambodscha. In eisiger Kälte aber auch in Vorweihnachtsstimmung haben viele Thüringer an ihre Freunde und an die Kinder in Kambodscha gedacht.


Es ist eine lange Reise. Am 30. Dezember waren die zwei Behälter mit je 68 Kubikmeter Füllmenge eingeschifft worden, nachdem viele fleißige Hände in einer ehemaligen Lagerhalle der Stadtwirtschaft mit dafür gesorgt hatten, dass der anfangs so riesig wirkende Stauraum rechtzeitig gefüllt wurde: mit über 20 Krankenhausbetten von der Uni Jena, Röntgeneinrichtungen, Instrumenten und Laborgeräten für die königlich landwirtschaftliche Fachhochschule, ca. 5000 Brillen - von Erfurter Optikern aufbereitet und sortiert - aber auch mit liebevoll gepackten Kartons von Thüringer Paten mit Schulsachen und Fahrrädern für den teils über acht Kilometer langen Schulweg...


Wir haben auch für andere Waren mittransportiert u.a. 50 Schulranzen von einem Berliner Verein, zählt Mathias Geßner auf. Der Vorsitzende der Thüringisch-Kambodschanischen Gesellschaft ist übrigens selbst mit seiner Frau Pate. Stolz erzählt er von einem jungen Mann, der nun dank ihrer Unterstützung bald seine Tischlerlehre bei einem Meister in einem Dorf bei Pnomh Penh beenden wird. Mit guten Ergebnissen. Und so gibt es zum Berufsstart von Geßners noch einen ordentlichen Werkzeugsatz. Die Tischleraufträge kommen teils durch den Schulneubau, den die Erfurter im fernen Land initiieren. Das zweite Patenkind ist eine junge Krankenschwester, die nun noch eine Ausbildung als Hebamme dranhängt, um auf einem Dorf mal eine Gesundheitsstation leiten zu können. Es geht uns um Hilfe zur Selbsthilfe, bezieht Mathias Geßner auch die Hilfstransporte ein. Es geht nur auf Reise, wofür wirklich Bedarf ist. Das haben wir genau abgestimmt.

Letztlich sind diese Hilfsaktionen nicht nur logistisch eine Großaktion, sondern auch finanziell ein Kraftakt für den Verein. So werden noch weitere Spenden für die Reise des Hilfscontainers benötigt, laufen u.a. Schiffs- und Zollgebühren auf. Für die 73 Vereinsmitglieder, die sich in verschiedenen Arbeitsgruppen engagieren, stehen zudem noch mehr Vorhaben an. Eine betreut die Projekte in Kambodscha wie z. B. in Partnerschaft mit der Stadtwirtschaft Erfurt die Bewirtschaftung von Mülldeponien. 2008 soll dort in Battambang ein Sozialgebäude samt eines Schulraums gebaut werden.


Eine Arbeitsgruppe organisiert Veranstaltungen in Thüringen, die den Freundschaftsgedanken weitertragen wie beim traditionellen Thüringisch-Kambodschanischen Abend. Und die AG Patenschaften unterstützt die Erweiterung auch von Klassenpatenschaften, wofür sich derzeit zwei Erfurter Grundschulen interessieren. Viel Zuspruch findet bei ihnen eine Wanderausstellung mit 40 Zeichnungen kambodschanischer Schüler der Klassen 7-9, die auf Bitte der Freundschaftsgesellschaft entstanden. Zu sehen sind die Zeichnungen zurzeit in der Regelschule 14, als nächstes in den Grundschulen 30 und Hallesche Straße.

Quelle: Thüringer Allgemeine, 26. Januar 2008
 
 

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