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„Lieber ein brennendes Haus, als krank zu sein“ Chau Kim Heng, Partner von FRIEDENSDORF INTERNATIONAL und TKG-Koordinator in Kambodscha, war Gast des FRIEDENSDORFES in Oberhausen und Dinslaken. In einem Interview sprach er über die Probleme bei der Gesundheitsversorgung in seinem Heimatland und die Projekthilfe des FRIEDENSDORFES. Wie stellt sich die Gesundheitsversorgung in Kambodscha dar? In Kambodscha gibt es ein Sprichwort, dass die Lage ganz gut beschreibt: Lieber ein sinkendes Boot als ein brennendes Haus. Lieber ein brennendes Haus, als krank zu sein. Eine Krankheit bedeutet also für die Kambodschaner die schlimmste Bedrohung. Das gilt insbesondere für die armen Menschen, und die stellen den größten Teil der Bevölkerung. Entweder man hat Geld oder man stirbt. Sorgt denn der Staat nicht für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung? Es gibt zwar in Kambodscha ein staatliches Gesundheitssystem, aber die finanziellen Mittel sind völlig unzureichend. Wenn beispielsweise jemand zum Arzt geht und in ein Krankenhaus überwiesen wird, so muss er selbst für den Transport dorthin sorgen. Die Behandlung durch die Ärzte im Krankenhaus ist dann zwar kostenlos, aber für alles andere müssen die Menschen selbst aufkommen. Die Aufnahme allein kostet ca. 20 Euro, hinzu kommen die Kosten für die medizinischen Geräte, Sanitätsmaterialien, Medikamente, Essen etc.. Bei einer Blinddarmoperation zum Beispiel kommen da um die 200 Euro Dollar zusammen. Das ist der Jahresverdienst einer durchschnittlichen kambodschanischen Familie. Viele Menschen müssen deshalb Besitz verkaufen oder Schulden machen, um gesund zu werden. Viele Leute sparen sich auch den Arztbesuch und gehen direkt zur Apotheke, um sich Medikamente zu kaufen. Das ist in vielen Fällen natürlich gefährlich, weil so nur die Symptome aber nicht die Ursachen der Krankheit behandelt werden. ![]()
Das FRIEDENSDORF leistet unter anderem durch den Bau von Basisgesundheitsstation wichtige Hilfe in Kambodscha. Sieben dieser Stationen in verschiedenen Provinzen sind bereits fertig gestellt und eine achte befindet sich gerade im Bau. 90 Prozent der Kambodschaner leben auf dem Land und gerade hier ist die Gesundheitsversorgung besonders schlecht. Die Basisgesundheitsstationen sind so ausgelegt, dass sie jeweils für ca. 12.000 Menschen in einem bestimmten Umkreis die basismedizinische Versorgung sicherstellen. Dort werden Krankheiten und Verletzungen behandelt, kleinere Operationen vorgenommen und Programme zur Familienplanung sowie Impfungen durchgeführt. Außerdem können die Frauen dort ihre Kinder zur Welt bringen, was zwei wesentliche Vorteile mit sich bringt. Zum einen sterben nicht mehr so viele Säuglinge an Tetanus, weil sie unter unhygienischen Bedingungen geboren werden, zum anderen können die Kinder direkt nach der Geburt geimpft werden. Wie sieht es mit den Kosten für die Behandlung aus? Das Konzept der Basisgesundheitsstationen des FRIEDENSDORFES sieht vor, dass die medizinische Versorgung für die armen Menschen kostenlos ist. Wer es sich dagegen leisten kann, zahlt einkommensabhängig einen bestimmten Betrag für seine Behandlung. Die Preise werden vom Gemeinderat gemeinsam mit den Ärzten festgelegt. Eine kleine Operation kostet zum Beispiel im Schnitt nur etwa 500 Riel, was ungefähr 10 Cent entspricht. Nehmen die Basisgesundheitsstation noch andere Aufgaben wahr? Die Aufklärung über die Entstehung und Verbreitung von Krankheiten ist ein weiteres wichtiges Ziel der Basisgesundheitsstationen. Viele Krankheiten, wie zum Beispiel Malaria oder Tuberkulose werden als Familienkrankheiten verstanden, die schicksals- oder gottgegeben sind, zum Bespiel als Strafe für Verfehlungen, so dass man vermeintlich deshalb nichts dagegen tun kann. Statt zu einem Arzt zu gehen, bringen die erkrankten Menschen Gott Opfer dar, um gesund zu werden. Hier setzten die Basisgesundheitsstationen an, um Bewusstsein zu schaffen und zu informieren. Zum Standard der Einrichtungen gehört außerdem jeweils auch ein Brunnen, der tief genug ist, um sauberes Trinkwasser zu fördern. Das ist eine sehr wichtige Maßnahme, denn viele Krankheiten werden vor allem durch verschmutztes Wasser übertragen. Ist die Hilfe des FRIEDENSDORFES auch in Zukunft noch notwendig? Kambodscha ist ein armes Land und deshalb auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Ich habe bereits jetzt schon fünf Anfragen nach Basisgesundheitsstationen aus verschiedenen Provinzen vorliegen und weitere werden folgen. Wir würden uns wünschen, dass das FRIEDENSDORF auch in Zukunft hilft, die medizinische Versorgung in unserem Land zu verbessern. Dieses Interview stammt von der Internetpräsenz von Friedensdorf. Mehr Infos zu Friedensdorf International unter Friedensdorf.de. |
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